Universität Hamburg, Institut für Germanistik II - Sommersemester 2006
Seminar II, 07.247 Jan-Frederik Bandel, Bettina Clausen:
Frühe Prosa Arno Schmidts 1949-1957
2st. Fr 16-18 Phil 1373 Beginn: 7. April 2006

Arno Schmidt (1914-1979) wird bis heute gern als literarischer 'Außenseiter' gehandelt: Allzu sperrig erscheinen die Erzählformen schon seiner frühen Prosa, konfrontiert man sie mit den ästhetischen Konzepten jener 'engagierten Literatur', die sich seit Ende der 40er Jahre bis tief in die 50er hinein mit eigenen Formen abarbeitete an den Verbrechen im 'Dritten Reich', am Krieg und an den darin wurzelnden Problemen des Nachkriegs – und dabei fast durchgängig weit zurückblieb hinter ihren vollmundigen Proklamationen einer 'neuen Sprache', einer 'neuen Literatur' nach '45.
Um diese Konstellation anschaulich zu machen, werden im Seminar vier ausgewählte Texte Schmidts – "Leviathan" (1949), "Schwarze Spiegel" (1951), "Aus dem Leben eines Fauns" (1953) und "Die Gelehrtenrepublik" (1957) – im Konnex jeweils zwar zeitgleich entstandener, aber ungleich populärerer, teilweise noch immer als kanonisch geltender Texte gelesen. Im Kontrast zu repräsentativen Textmodellen von u.a. Andersch, Böll, Heißenbüttel und Weyrauch soll die normabweichende Prosakunst des Autors Arno Schmidt erzähltexttheoretisch und in ihren literaturpolitischen Dimensionen sondiert werden.
Wir laden damit ein zu einer Nachprüfung der literaturgeschichtlichen Konstruktion der 'Stunde Null' – und zur Frage, mit welchem Recht auch die frühe Prosa Arno Schmidts ihren Rang im literarhistorischen Kontext, gerade aber auch in der Gegenwart, behauptet.
Die Texte Arno Schmidts sind preisgünstig als Fischer-Taschenbücher greifbar (als Nrn. 9110, 9112 und 9126). Die frühen Primärtexte der Vergleichsliteratur werden als Kopiervorlagen bereit gestellt. Zur Hintergrundinformation: H.L. Arnold (Hg.): "Die Gruppe 47", Edition Text + Kritik, 3. Aufl., München 2004.
Weiter führende Angaben rechtzeitig am "Schwarzen Brett".