18. bis 21. Mai 2006 Einst nämlich war ich Knabe, Mädchen, Busch, Vogel und aus dem Meer emportauchender stummer Fisch Veranstaltungsreihe über den Schriftsteller Hubert Fichte (1935-1986) Hubert Fichte ist ein antreibender Autor: Seine Literatur fordert den Wahrnehmungsapparat der Leser und regt zum Forschen an. Man kann sich an seiner Arbeit reiben, seine Poetologie in Frage stellen oder seine rege Reisetätigkeit diskutieren. Sein Schreiben ist vielgestaltig und lässt sich nicht mit einem Etikett versehen. Daher sollten - wenn man ihn und sein Werk umfassend vorstellen möchte - diverse Stimmen zu Wort kommen. Donnerstag, 18. Mai, 20 Uhr Jan-Frederik Bandel: Ein Leben Jäckis Heinrich-Heine-Institut, Bilker Str. 12, Düsseldorf In dem Text "Ein Leben Jäckis" von Hubert Fichte, der einen Übergang in seinem frühen Werk markiert, erfährt man etwas über Fichtes Lebensentwurf (Bisexualität), die Entwicklung seines poetischen Programms (Intertextualität), über St. Pauli und die Entdeckung des Tourismus. Der Literaturwissenschaftler Jan-F. Bandel macht durch einen faszinationsanalytischen Beitrag und die Lesung von "Ein Leben Jäckis" mit Hubert Fichte bekannt. Er führt ein in Fichtes Welt der Verwandlungen, Transgressionen und Zwischenbereiche. Stimmlich begleitet wird er von Anne Schülke und O-Tönen des Autors. Freitag, 19. Mai, 20 Uhr Alberto Venzago: Voodoo - Mounted by the Gods Souterrain, Dominikanerstr. 4, Düsseldorf Hubert Fichte war ein Forscher, sein großes Vorbild - neben Herodot - der Anthropologe und Fotograf Pierre Verger. Fichte und Verger waren fasziniert von den afroamerikanischen Mischreligionen, beiden verwandelten diese Faszination in Kunst und erweiterten dabei die Wissenschaft um eine wesentliche Kategorie: Die Poesie. Der Dokumentarfilm von Alberto Venzago ist ein aktuelles Beispiel für das Arbeiten an den Grenzen zwischen Kunst und Dokumentation. Er ist das Ergebnis einer beinahe 10 Jahre langen Recherche über Voodoo in Benin. Samstag, 20. Mai, 20 Uhr Theo Janßen, Jan-Frederik Bandel: Palette revisited Galerie Flor, Klosterstr.29, Düsseldorf Der Film "Palette revisited" erzählt vom Leben der Gammler in den 50er/60er Jahren in Hamburg am Beispiel der berüchtigten Kneipe. In der Hafenstadt ohne Sperrstunde gedieh diese Subkultur authentischer als sonst irgendwo in der BRD - genau genommen vor allem in der Palette, die Hubert Fichte 1961 entdeckt hatte. Diesem engsten und heißesten Treffpunkt für bohème-neugierige Oberschüler, Ausreißer, Halbkriminelle und Halbkünstler, für Hafenarbeiter und Seeleute hat Fichte in seinem gleichnamigen Roman 1968 ein Denkmal gesetzt. Gemeinsam mit Theo Janssen hat der Literaturwissenschaftler Jan-F. Bandel an dem Film und einem gleichnamigen Buch gearbeitet. Er präsentiert Film und Buch und verlebendigt Erinnerungen an die erste Nachkriegsgegenkultur. Sonntag, 21. Mai, 20 Uhr, Anne Schülke: Wohlwollendes Gerede über Hubert Fichte Salon des Amateurs, Grabbeplatz 4, Düsseldorf "Klatsch. Klatsch ist ganz sicher nicht die Wahrheit. Klatsch ist auch keine Lüge. Kein Psychologe kann leugnen: Klatsch ist ein Diskurs. Klatsch ist wahr und falsch - Klatsch ist eine subjektive Wahrheit.", schreibt Hubert Fichte. Eine seiner Arbeitstechniken war das Interview. Davon inspiriert hat Anne Schülke ausgehend von Gesprächen mit Menschen, die sich heute mit Hubert Fichte beschäftigen (Peter Braun, Schorsch Kamerun, Jan F. Bandel, Hans Georg Pott) einen Text entwickelt. In einer Installation spricht sie für und über den toten Dichter. Eintritt jeweils 4 Euro Die Veranstaltungsreihe wird gefördert durch das Kulturamt der Stadt Düsseldorf. |


